Chiba-Dojo

Das Chiba-Dōjō der Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō blickt auf eine nunmehr über 165 Jahre alte Geschichte zurück. Es wurde in der Kaei-Zeit um 1848-1849 in Edo, dem heutigen Tōkyō durch den Samurai und Meisterschwertkämpfer Chiba Sadakichi Taira no Masamichi, dem jüngeren Bruder des Kaiso (Gründers) der Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō, Chiba Shūsaku gegründet.

Chiba Sadakichi

Chiba Sadakichi Taira no Masamichi

Chiba Sadakichi öffnete die Tore des Chiba-Dōjō weitläufig für all jene die die Hokushin Ittō-Ryū erlernen wollten, unabhängig davon welcher sozialen Schicht die Schüler angehörten. Zu den Schülern des Chiba-Dōjō gehörten nicht nur Samurai aus den hohen und niederen Rängen, sondern auch Bauern, Händler und sogar Frauen und Kinder. Dies stellte zu dieser Zeit eine absolute Neuheit und Ausnahme dar, führte jedoch zu einem gewaltigen Andrang an Schülern. Schon bald wurden die Räumlichkeiten des Chiba-Dōjō zu klein und Chiba Sadakichi beschloss die nebenan liegende Tōjōichidō-Juku (eine alte Schule) welche gerade geschlossen wurde zu erwerben und das Chiba-Dōjō somit weitläufig zu erweitern. Durch die vielen fähigen Schwertmeister welche das Chiba-Dōjō hervorbrachte, wurde es in kürzester Zeit zu einem der bekanntesten Dōjō Japans. Leute aus allen Schichten der Gesellschaft reisten aus dem ganzen Land nach Edo um dort im Chiba-Dōjō die Hokushin Ittō-Ryū zu erlernen. Im Jahr 1853 wurde der berühmte Samurai und Revolutionär Sakamoto Ryōma aus Tosa von seinem Clan nach Edo geschickt um im Chiba-Dōjō die Hokushin Ittō-Ryū unter Chiba Sadakichi und dessen Sohn und Nachfolger Chiba Jūtarō zu erlernen. Im Jahre 1855 ereignete sich das Ansei-Edo-Erdbeben welches große Teile Edos zerstörte. Bei einem Feuer welches durch das Erdbeben verursacht wurde brannte auch das Chiba-Dōjō nieder. Chiba Sadakichi war es jedoch möglich das Chiba-Dōjō in Okemachi in Edo nur ein Jahr später (1856) wiederaufzubauen und den regulären Schulbetrieb wiederaufzunehmen.

In der Meiji-Zeit erfreute sich der sogenannte Chiba-Gekikenkai welcher im Chiba-Dōjō durch den 3. Sōke, Chiba Tōichirō abgehalten wurde, großer Beliebtheit. In diesem Gekikenkai wurden öffentlich Shiai (Duelle) mit Holz oder Bambuswaffen ausgefochten. Es existieren bis heute mehrere Holzschnitte des Chiba-Gekikenkai, welche durch den berühmten Künstler Tsukioka Yoshitoshi (1839-1892) angefertigt wurden. Der Holzschnitt unten zeigt den 3. Sōke, Chiba Tōichirō welcher am unteren rechten Bildrand auf einem Stuhl sitzt und ein Duell Naginata gegen Schwert beobachtet. Die Person welche das Naginata führt ist Chiba Sana, die Tochter von Chiba Sadakichi, welche den Beinamen „Chiba no Onikomachi“ (Dämonenschönheit der Chiba-Familie) trug. Dieser ist auf ihre außergewöhnlichen Fertigkeiten mit dem Schwert und dem Naginata sowie auf die Tatsache zurückzuführen, dass sie jeden Herausforderer welcher das Chiba-Dōjō besuchte im Duell besiegt hatte und dies obwohl sie eine zierlich gebaute Frau war.

Holzstich des Chiba-Gekikenkai der Meiji-Zeit

Holzschnitt des Chiba-Gekikenkai im Chiba-Dōjō der Meiji-Zeit

In der Meiji Zeit wurde das Chiba-Dōjō von Chiba Tsukane, dem 4. Sōke nach Yotsuya in Tōkyō verlegt. Später in der Taishō-Zeit allerdings geschlossen, da es nicht mehr durch die derzeitige Schülerzahl erhalten werden konnte. Durch die Modernisierung Japans schwand das generelle Interesse an den traditionellen Kampfkünsten und der Aufstieg des modernen Kendōs tat sein Übriges. Die Schülerzahl vieler Koryū sank dramatisch und viele Lehrer konnten ihre Dōjō nicht mehr hauptberuflich führen oder gar für deren Unterhalt aufkommen. Die Chiba-Familie begann eine Akkupunktur Klinik zu eröffnen um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, unterrichteten aber die Lehren der Schule zwei Generationen nicht mehr öffentlich. Chiba Tsurutarō, der Sohn Chiba Tsukanes, sowie dessen Sohn Chiba Akira erlernten die Schule zwar, gaben diese jedoch nicht weiter. Die Lehren und Techniken der Hokushin Ittō-Ryū wurden aber durch diverse Shihan Linien weitergeführt und bis in die heutige Zeit weitergegeben. Der 5. Sōke Chiba Hiroshi Masatane entschied sich am Anfang des 21. Jahrhunderts dazu die Schule wieder unter einem aktiven Sōke zu vereinigen und ernannte am 1. Juli 2013 den Menkyo-Kaiden, Ōtsuka Yōichirō Masanori und Oberhaupt des Hokushin Ittō-Ryū Shinmeikai-Dōjō in Tōkyō zum 6. Sōke der Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō und eröffnete das Chiba-Dōjō mit ihm zusammen erneut.

Das Chiba-Dōjō in der heutigen Zeit in München

Das Chiba-Dōjō in der heutigen Zeit in München

Ōtsuka Yōichirō-Sōke führte die Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō über drei Jahre lang als 6. Sōke. In dieser Zeit fand die Schule weltweite Verbreitung und mehrere Dōkōkai (Trainingsgruppen) wurden in verschiedenen Ländern und Kontinenten unter seiner Führung eröffnet. Seinem Ziehsohn Ōtsuka Ryūnosuke gelang es im Juli 2014 eigene Räumlichkeiten für das Chiba-Dōjō in München anzumieten.

Kanban

Schild am Eingang des Honbu-Dōjō der Ryūha, mit der Aufschrift: “Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō Chiba-Dōjō”

Am 26. März 2016 entschied sich Ōtsuka Yōichirō-Sōke dazu die Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō an Ōtsuka Ryūnosuke als 7. Sōke zu übergeben. Dies führte dazu, dass das Chiba-Dōjō in München nun zum Honbu (Hauptquartier) der Schule weltweit wurde. Das Chiba-Dōjō in Tōkyō ist selbstverständlich weiterhin unter der Leitung des 6. Sōke aktiv, das Haupt-Dōjō der Schule befindet sich jedoch nunmehr in München unter der Führung des 7. Sōke Ōtsuka Ryūnosuke Masatomo.

Übergabe der Hokushin Ittō-Ryū Hyōhō durch den 6. Sōke, Ōtsuka Yōichirō an den 7. Sōke, Ōtsuka Ryūnosuke im Nakano Sunplaza Hotel, Tōkyō am 26. März 2016